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Bilder wie Partituren

Meine Bilder sind wie Partituren. Sie gleichen einem klassischen Musikstück, der Bildaufbau folgt einem Rhythmus und einer Orchestrierung.
Vordergründig scheint man ein Bild zu sehen, ein Motiv, mit Bildinhalt und Aussage. Doch all dieses muss man lesen, erkennen, zusammenfügen, die Phantasie entscheiden lassen.  Der vordergründige Bildinhalt, die Melodie, setzt sich aus vielen Einzelheiten, Einzelmotiven zusammen, die entschlüsselt werden müssen, die übersetzt werden müssen,wenn man die Gesamtkomposition "hören"will.
Man erkennt Symbole. So steht zum Beispiel der Fisch für Religion - wie er aussieht, was er tut, beschreibt genauer die jeweilige Aussage.
Diese Symbolik kann man lesen wie ein Buch und doch steht die Bildaussage nur sekundär, um die Hauptsache, die komplexe Komposition zu tragen.
Meine Malerei entsteht nach Musik. Ich greife die Rhythmik der Musik auf. Ob harte Drums oder weiche Streicher, kurze Stakkati, oder lange weiche Tango- oder Walzerrhythmen....Ich male wie es die Musik vorgibt, setze intuitiv um, ich denke kaum an das was werden soll, denn es wird werden-da bin ich sicher. Ich setze Striche, Bögen, Verläufe, Hartes gegen Weiches. Hier sieht man die Melodie der Bildes,wenn man sich auf die Linienführung einlässt. Intuitiv setzte ich Farben gegeneinander oder lasse verschmelzen was zusammen gehören soll. So entsteht der Klang.
Wie in einer Komposition erzeuge ich Dissonanzen und Harmonien, Dur und Moll, gegenläufige Melodien und wechselnde Rhythmen. Ich greife Neues auf, verfolge das eine Weile und kehre zum ursprünglichen Thema zurück.
Der Bildaufbau, die Harmonie wird, wenn nötig, ausgeglichen oder die Spannung auf die Spitze getrieben.
Nicht immer erfolgt am Schluss der Entspannungsklang, die Harmonie der Dominantseptakkord. Unter meist völliger Vernachlässigung von goldenem Schnitt oder Perspektive baue ich halb gezielt und halb intuitiv die Sinfonie. Scheinbar wahllos auftretend sind Einzelelemente, deren Abfolge und Abordnung dennoch innerlich verknüpft und ergeben Sinn.
Die transparenten Farben erzeugen eine gezielt gesetzte Dreidimensionalität in deren Tiefe sich oft noch Dinge befinden die ebenfalls gefunden und entschlüsselt werden wollen. Licht und Beleuchtung sind außerdem Parameter, die es ermöglichen die Bilder erneut verändert erlebbar zu machen.
So sollte man die Bilder auch betrachten. Nicht als ein fertiges schlüssiges Gesamtbild, sondern als ein Stück, das seine Zeit braucht, sich zu entwickeln, die Dramatik aufzubauen sich zu steigern und zu entladen . Man nehme sich die Zeit, die Werke jedes mal neu zu entdecken neu auf sich wirken zu lassen, seine Harmonien, seine Dissonanzen seine Orchestrierung zusammen mit der eigenen Stimmung und Phantasie als Condukteur,als sein eigener Dirigent zu erleben.
5M,  Markus Müller, 08,2017